1.11 Die Stromversorgung
Elvira Jakob
Der Siegeszug der Elektrizität begann im Weserbergland kurz vor dem ersten Weltkrieg. Mit der Gründung vom „Elektrizitätswerk Wesertal„ durch die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin„ geschah der entscheidende Schritt.
Die Stadt Hameln, der Landkreis Hameln-Pyrmont, der Landkreis und die Stadt Holzminden, die Grafschaft Schaumburg wurden im Sommer 1912 in dieses Unternehmen mit einbegriffen, durch einen Konzessionsvertrag die Stromversorgung ihrer Kreisgebiete ins Leben gerufen.
Der Bau des Kraftwerks in Afferde bei Hameln am 27 Juni 1912 ist das Geburtsdatum. Ende 1913 lieferte Wesertal an die Stadt Hameln, Afferde und Rohrsen den ersten Strom. Esperde bekam den elektrischen Strom durch das Elektrizitätswerk Wesertal am 25 Juli 1914 mit noch weiteren achtzig Gemeinden unserer Region und Umgebung. Die Beleuchtung aus alter Zeit war Öl oder später Petroleum. Unsere Dorfbeleuchtung bekamen wir im Sommer 1962. [i]
Die elektrische Stromversorgung kommt nach Esperde.
Margret Schacht
Mein Schwiegervater Konrad Schacht erzählte:
Um 1912 war ich ein großer Junge, ich kann mich noch daran erinnern als es hieß: ”Das elektrische Licht kommt”. Lange hölzerne Masten wurden mit einem Lastwagen bis ans Dorf gefahren. An der Kirche wurde ein Umschalthaus gebaut. Wir Kinder waren fast den ganzen Tag dabei. Die Handwerker waren fleißig und lustig bei ihrer Arbeit. Übernachtet wurde im hiesigen Gasthaus.
Endlich war es so weit, die Anschlüsse wurden gemacht. Nicht alle Dorfbewohner wollten die Elektrizität, es kostete ja auch Geld. Unsere Nachbarn wollten die Ersten sein, bei denen das elektrische Licht angelegt wurde. Sie beauftragten eine andere Firma, denn Wesertal war ja wohl überlastet. Aber es kam umgekehrt, Wesertal war schneller.
In den ersten Häusern war der Strom schon angeschlossen (die Lampen brannten). Meine Mutter und ich gingen zu Bekannten. Wir wollten sehen, wie hell es in den Stuben geworden war, wenn die Lampen brannten. Es gefiel uns.
Es war Herbst geworden. Gegen 19.00 Uhr kamen noch zwei Elektriker und schlossen uns den Strom an. Meine Großeltern, meine Mutter und ich saßen in der Stube um den Tisch bei einer Petroleumlampe. Plötzlich wurde es hell, mein Großvater erschrak. Dieses war für uns ein großer Moment, es war in unserer Stube hell wie am Tag. Wir hatten drei Brennstellen, in der Stube, in der Küche und auf dem Flur. Die Flurlampe beleuchtete auch die Stalldiele mit.
Meine Großmutter war Hebamme. Sie versorgte die Mütter mit ihren Kindern in Esperde und Umgebung. Kurz vor der Stromversorgung meinte eine Frau: ”Minna Schacht, jetzt bekommst Du es besser, wenn Du von Dorf zu Dorf gehst. Die Drähte sind schon gezogen, bald sind sie alle hell.”
Das war die Vorstellung, die einige Leute von der Elektrizität hatten.