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1.13 Eine Hebamme in Esperde

Margret Schacht

 

Um 1900 wohnte in Esperde eine Hebamme, Frau Minna Schacht. Sie wurde von der Gemeinde ausgesucht. Ordentlich und sauber musste sie sein und mindestens ein eigenes Kind haben. Sie ging zur Ausbildung in ein Krankenhaus nach Osnabrück. Zu Weihnachten kam sie mit der Bahn nach Haus zu Besuch. Nach der Ausbildung als Hebamme ging sie vierzig Jahre zu Fuß in die Dörfer Esperde, Bessinghausen und Brockensen. In Börry, Heyen und Harderode machte sie Aushilfe. Noch zehn Tage nach der Geburt kam sie in das Haus und versorgte Mutter und Kind, oft auch die ganze Familie. Von der Gemeinde bekam sie als Lohn 60,- Reichsmark im Jahr. Es waren viele Kinder, denen sie auf die Welt half. Sechs, acht, zehn in einem Haus waren keine Seltenheit. Die einzelnen Familien bezahlten, wenn sie es konnten mit Naturalien.

In der Gaststube, bei ein paar Schnäpsen, wurde gewettet: "Wenn die Schacht`sche ösch en lütschen Jungen bringet, kricht se hundert Mark."

Jungen standen hoch im Kurs. Es sollte ihr nicht darauf ankommen, sie brachte auf Wunsch einen Hoferben, einen Jungen und bekam das Geld. Für 120 RM kaufte sie sich ein Fahrrad, das war ein Fortschritt.