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1.15.7 Erster Weltkrieg

 

Mobilmachung zum 1. Weltkrieg am 1. August 1914 in Esperde[i]

 

1.Aug.  Nachmittags um 5 ½ Uhr wurde hier die Mobilmachung der Deutschen Streitkräfte durch den Gemeindevorsteher bekannt gemacht.

Eben von der Beerdigung einer kleinen Schülerin, der Tochter des Gastwirtes Wilhelm Schütte, die ihren Tod in den hochgehenden Fluten des Ilsebaches gefunden hatte, zurückgekehrt, empfingen wir die Nachricht  von der Mobilmachung. Die Bekanntgabe wurde hier allgemein mit einer großen Ruhe aufgenommen. Die Schuljugend unternahm in Reih und Glied einen Rundgang durch das Dorf, wobei sie Vaterlandslieder sang.

In der selben Nacht wurden noch durch Automobilboten nähere Nachrichten gebracht.

 

3.Aug.  Morgens 7.00 zog in westlicher Richtung das Zeppelinluftschiff „Hansa“ in nur geringer Höhe über unseren Ort, so daß es von der Schuljugend gut betrachtet werden konnte.

 

4.Aug.  Abends 20.00 fand in hiesiger Kirche ein Gottesdienst statt. Die ausziehenden Krieger und deren Angehörige empfingen das Heilige Abendmahl.

 

5.Aug.  Morgens 5.00 früh zogen sie hinaus ins Feld, die braven Söhne und Männer unseres Dorfes. Wohl gab es Tränen in fast allen Häusern, Tränen zurückbleibender Eltern, Frauen, Schwestern und Brüder, aber doch ging es unter kräftigen Hurra den Lindenbrink hinunter und mit dem schönen Lied „Die Vöglein im Walde die sangen so wunderschön, in der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehn“ sangen sie uns den Abschied. In Börry hielt unser Herr Pastor mit allen ausziehenden Kriegern von Brockensen, Börry, Bessinghausen und Esperde eine Betstunde und eine ergreifende Abschiedsrede.

 

„ Du deutscher Sohn, sei tapfer, treu und wahr ! „

 


 

Mobilmachung zum I. Weltkrieg

 

Heinrich und Wilhem Brinkmann

Aufzeichnungen aus dem 1.Weltkrieg47

 

10. August 1914

Die Jagdgesellschaft Esperde-Bessinghausen beschloß, Wild für die verwundeten und kranken Krieger unentgeltlich abzugeben. Ein Rehbock wurde an der Sammelstelle bei Krondorf in Hameln abgegeben.

 

24. September 1914

Heute kam die Nachricht nach hier, dass der Hofbesitzer Otto Lemke im Gesicht schwer verwundet ist. Leider hat man ihm ein Auge ausnehmen müssen.

 

13. Dezember 1914

In Esperde wurde heute durch die Behörden Hafer beschlagnahmt.

 

1. Februar 1915

Ab heutigen Tag Bestimmung über das Einheitsbrot §1. Pro Person und Woche höchstens 2 kg. Brot oder Mehl.

 

14. Februar 1915

Verfügung durch den Landrat in Hameln. Einsammeln von Kastanien, Eicheln und Bucheckern für Futtermittel durch Schulkinder, unter Leitung der Lehrer.

 

20. April 1915

Die Pferdepreise sind um 300% gestiegen.

 

30. Juli 1915

34 russische Kriegsgefangene kamen nach hier, um als Erntearbeiter bei den Landwirten zu dienen.

 

1. August 1915

Heute Ehrengeläut für den ersten hiesigen, gefallenen Krieger Hermann Heise.

 

21. September 1915

Metallgesetz

Beschlagnahme von entbehrlichen Buntmetallen.

 

18. Oktober 1915

Verordnung

Der Höchstpreis für 1 Pfund Butter im Kleinhandel wird auf 2,80 Mark festgesetzt.

 

 

11. April 1916

Verordnung

Das Kartenlegen und Wahrsagen wird verboten.

 

10. Juni 1916

Folgende Krieger waren letzte Woche auf Urlaub:

Vizefeldwebel Wagner, Unteroffizier Fr. Lange, Unteroffizier Fr. Kohlenberg, Landsturmmann Hermann Grupe, Landsturmmann August Meyer, Landsturmmann Wilhelm Beye, Gefreiter Fr. Beye, Unteroffizier Wilhelm Gerling, Gefreiter Ludwig Gerling, Ulan Fr. Gerling, Gefreiter H. Gesterling und Gefreiter Karl Göhmann

 

14. Juni 1916

Heute wurde das einzige Schwein des hiesigen Lehrers von der Regierung beschlagnahmt und abgenommen.

 

19. Juni 1916

Zuckermarken werden eingeführt.

 

1. Juli 1916

Fleischmarken werden eingeführt

Pro Person und Woche ½ Pfund

 

17. Juli 1916

Merkblatt für Brennessel-Ernte

 

30. Oktober 1916

Heute wurden hier bei hiesigen Familien 21 erholungsbedürftige Kinder aus Hannover-Linden untergebracht.

 

5. November 1916

Vom hiesigen Frauenvereine wurde beschlossen, jedem Soldaten aus Esperde ein Weihnachtspaket zu senden.

 

16. Dezember 1916

Dem Sohn des Kornmakler H. Brinkmann, Heinrich Brinkmann aus Esperde, wurde das Eiserne Kreuz vom Kaiser eigenhändig überreicht.

 

6. Januar 1917

Verfügung vom Landratsamt Hameln.

Sammlung von Fichtennadeln. Die Bezugstelle bezahlte 65 Pfennig für das Pfund.

 

4. Februar 1917

Hier zeigte das Thermometer heute früh  -22°C, an.

 

25. April 1917

Heute wurden die Prospektpfeifen der hiesigen Kirchenorgel, zur Gewinnung von Zinn, abgeliefert.

 

9. Juli 1917

Heute wurde hier beim Vollmeier H. Ricke der erste Roggen gemäht. Eines solchen frühen Zeitpunkt können sich die ältesten Leute im Dorf nicht erinnern.

 

19. September 1917

Am heutigen Tage wurde von dem Schmiedemeister Winter von hier, die kleine Läuteglocke abgenommen.

In der Glocke befand sich die Inschrift:

Jul. Gödecke, Dortmund 1487.

Sie wog 622 Pfund

Spätere Geschlechter werden kaum erahnen, was es heißt: Unsere alte Glocke muß weg.

 

15. November 1917

Am 2.November 1917 wurde die Leiche des nach hier überführten Vizefeldwebel Karl Samuel mit allen militärischen Ehren auf dem hiesigen Friedhof beigesetzt.

Damit enden die Aufzeichnungen von des Lehrers Georg Wieting

 

 

Im Krieg 1914-1918 fielen:

 

Ludwig Gerling

Friedrich Schulz

Friedrich Gesterling

Friedrich Prelle

Hermann Heise

Heinrich Hölscher

Heinrich  Strüber

Friedrich Beye

August Spier

Friedrich Hölscher

Wilhelm Müller

Otto Göhmann

Heinrich Beye

Karl Samuel

 

 

 

Zu Ehren dieser Gefallenen und vermissten Soldaten wurde auf dem Flurstück des Realverbandes am Ortsausgang nach Börry ein Kriegerdenkmal errichtet.

 

Das Esperder Kriegerdenkmal


 

[i] Aus der Esperder Schulchronik