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1.15 Kriegszeiten

 

1.15.1     Der Dreißigjährige Krieg von 1618 - 1648

Gerhard Schramm

 

Ab 1623 kam es zu Kriegshandlungen und Überfällen im Ilsetal. Der kaiserliche General Tilly zog an der Weser entlang, um den "tollen Christian" zu schlagen, der zwischen Bodenwerder und Hameln lagerte. Tillys Soldaten hatten zwischen Wegensen und Bremke ein großes Feldlager aufgeschlagen. Die äußersten Vorposten sollen bis zum Rebenstein gewesen sein. Vielleicht rühren die Gräben, die dort noch zu finden sind, von ihnen her. Es hält sich auch die Überlieferung, dass vor mehr als hundert Jahren im Mergelboden Kanonenkugeln, von denen sich heute noch welche im Privatbesitz befinden sollen, gefunden wurden. Schwere Kriegsschäden trafen die Bevölkerung, damit aber nicht genug: Plünderungen, Mord und Vergewaltigungen der verwilderten Söldnerscharen waren an der Tagesordnung. Zu dieser Not trat auch noch die Pest auf, an der viele Leute "elendiglich zugrunde" gingen.[i]

 

Pastor und Einwohner der Dörfer Esperde und Börry baten, da durch den Krieg ein Teil der Wohnhäuser vernichtet wurden, das Amt Grohnde 1626 um Bauholz für die beschädigte Kirche in Esperde und die Pfarrscheune in Börry.50

 

Bis zum bitteren Ende 1648 lieferten sich die kaiserlichen und die protestantischen Armeen mehr oder weniger große Schlachten. Fast alle Völker Europas waren an diesem Gemetzel in Deutschland beteiligt. Je nach Kriegslage setzen die jeweiligen Siegermächte ihre Amtsleute und Pastoren wieder ein und verjagten die feindlichen. Die Bevölkerung war durch den Krieg so dezimiert, daß viele Jahrzehnte vergingen, ehe sich das Leben auf den Dörfern wieder erholte.

 

1.15.2     Der Siebenjährige Krieg von 1756 - 1763

Gerhard Schramm

 

Nach Ausbruch des Krieges ließ sich Frankreich nicht davon zurückhalten, das Kurfürstentum Hannover und damit auch England anzugreifen.

 

Der erste Vorstoß der Franzosen richtete sich auf die Festung Hameln. Der Aufmarsch zu der unglücklich verlaufenden Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 spielte sich hauptsächlich auf der rechten Weserseite ab. Die ersten Gefechte begannen am 24. Juli im gesamten Ilsetal und zogen sich von Esperde, Bessinghausen über die Nachbardörfer bis Latferde zum Bückeberg hin. Es wird von der Vernichtung fast aller Feldfrüchte berichtet. Schwer zu leiden hatte Hastenbeck, Tündern und Voremberg. Für das Amt Grohnde wurde ein Schaden von 136000 Reichsthalern errechnet.

 

Acht Monate hielten die französischen Angreifer das Land besetzt. Durch die geforderten Kontributionen und Sachlieferungen verarmte die Einwohnerschaft zusehends.

 

Mehrmals zog in den folgenden Jahren die Kriegsfurie durch unsere Heimat. Vormarsch und Rückzug von Freund und Feind waren an der Tagesordnung. Im September 1758 und Sommer 1759 war hier wieder Kriegsgebiet.

 

Da sich im Frühjahr 1761 die Franzosen an der Oberweser festgesetzt hatten, waren die Dörfer zwischen Polle und Hameln mit Reiterregimentern überbelegt. Die eigenen Truppen standen bei der Beschlagnahme von Geld und Sachlieferungen dem Feind nichts nach. Die Verbitterung in der Bevölkerung war sehr groß und verständlich. Durch die Nähe der Festung Hameln hatten vor allen Dingen die Weserdörfer und die Orte beiderseits des Iths zu leiden.[ii]

 

1.15.3     Beschwerde über einquartierte Dragoner, 1767

 

Königlich Großbritanische und Churfürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Kriegs-Canzlei.

 

Hoch- und Hochwohlgebohrenen

Gnädige Hochgebietenen Herren.

 

Euer Excellences und Hochwohlgebohrenen müssen wir, sämtliche Einwohner aus der Dorfschaft Esperde, Amts Grohnde folgende Beschwerden gegen unsere Einquartierten Dragoner vom Löbl. Ehtorffschen Regiment unterthänigst anzeigen und um deren Abstellung bitten.

 

Verlangen diejenigen Dragoner, welche beurlaubet sind, daß wir ihnen Monatlich 22 Mgr. Quartier Gelder bezahlen sollen. Einige sind auch so billig und begnügen sich mit 11 mgr. dem ohngenachtet aber lassen sie bei ihren Urlaub ihre Sachen in ihren Kammern und der Wirth muß ihnen solche offen halten und das Geld dazu bezahlen.

 

Da aber solches den klaren Inhalt des Dienst Reglements Nr. 4 entgegen ist, so bitten wir unterthänigst, unseren einquartierten Dragonern verbieten zu lassen, daß sie bei ihrer Beurlaubung kein Quartiergeld verlangen dürfen.

 

Haben wir unseren Einquartierten bis hierher aus freien Stücken das Rauhe Heu ohnentgeld geliefert, obgleich wir gleich dazu nicht gebunden gewesen. Zum Ende haben wir den Einquartierten eine von unseren Wiesen ohnentgeldlich eingeräumt, auch das Stroh verabreichet so.

Da aber solches wir schlecht an Umständen nicht ferner gestalten wollen, zumahl wir für diese Wiesen von den vormahligen Einquartierten vom Leib Regiment über 20 Rth erhalten und jetzt noch gar dazu auf die ohnberittenen Mannschaft, die Grasgebühr bezahlen müssen. So gelanget an Euer Excellences und Hochwohlgebohrnen unsere unterthänigste Bitte, den Befehl an den Herrn Obrist vom Ehtorffschen Dragoner Regiment ergehen zu lassen, daß unsere Einquartierten Dragoner und das Rauhe Heu Ordnungsmäßig bezahlen, sich aber unseren Wiesen gänzlich enthalten müssen, wie wir denn auch bereit und willig sind nach Maßgebung , des Edicts vom 6. April 1718 und die drey Gras Monate jeden mit

33 Mgl zu lasten.

Wir getrößten uns gnädiger Erhörung und beharren in der tiefsten Submission.

 

Euer Excellences und Hochwohlgebohrnen,

           

            unterthänigste sämtliche Einwohner

            hieselbst

 

Esperde, Amt Grohnde

17. Juni 1767[iii]

 

 

1.15.4     Grenzstreitigkeiten am Rebenstein

 

Über Jahrhunderte kommt es zu Grenzstreitigkeiten wegen angeblicher Grenz­verletzungen zwischen den Harderodern (Amt Wickensen) und den Esperdern (Amt Grohnde). Ein Fußsteig verläuft hier direkt von Harderode über den Rebenstein nach Esperde.

Große Aufregung herrscht 1794 in Harderode, als eine Frau aus Heyen, die ihren Mann verlassen hat, im Harderoder Eichenholz, 100 Schritte hinter der Grenze, tot aufgefunden wird. Da die Esperder die tote Frau, die auf Harderoder Territorium liegt, mitnehmen und in Esperde bestatten wollten, verlet­zen sie das Grenzhoheitsgebiet. Nach Meinung der Harderoder sind sie nicht dazu berechtigt. [iv]

Das Problem besteht darin, dass der genaue Verlauf der Grenze nicht bekannt ist. Grenzsteine existieren noch nicht, und die alten Markierungen (Wolfs­angeln) an den Bäumen sind verwischt. Im allgemeinen sind die ältesten Ein­wohner eines Dorfes jeweils die "Grenzzeugen" und geben an, wie die Grenze verläuft. Sie wiederum haben ihre Kenntnisse von ihren Vätern und Großvä­tern. Sogenannte Schnathbäume oder besonders markante Punkte in der Land­schaft markieren den Grenzverlauf. Grenzunstimmigkeiten sind vorprogram­miert, wenn ein Schnathbaum infolge eines Sturmes umfällt und der genaue Grenzverlauf nicht mehr zu rekonstruieren ist.

Wegen der Grenze am Rebenstein kommt es 1765 sogar zu einem Prozess zwi­schen beiden Ämtern. Was ist vorgefallen? Die Harderoder beschweren sich, dass die Gemeinde Esperde auf diesen Platz "mit einem solchen schrecklichen und vollbetrunkenen Geheule mit allem ihrem Gesinde kam und hauten drei Tage aneinander unser Eichenholz ab und brachten es nach Esperde". Die Esperder glaubten sich natürlich im Recht.

Verständlicherweise versuchten die Harderoder, das Abschlagen der Bäume zu verhindern, da sie um ihre Schweinemast und ihren Eichenbestand fürch­ten. Die Folge ist, dass Gottfried Heineking den Esperdern eine Axt entwen­det (= pfändet). Daraufhin folgen ihm die Esperder bis ins Dorf Harderode, wo sie ihm mit der Axt auf den Kopf schlagen, dass er "fast tot nieder­sinkt". Aus Rache nehmen die Esperder noch zwei Männer mit und bringen sie zum Amt Grohnde. Sogar ihre Namen sind uns bekannt! Heinrich Jürgen Wedekind und Heinrich Jürgen Knocke.[v]

Man versucht von Seiten der Ämter, den genauen Verlauf der Grenze festzulegen, um weiteren Streitigkeiten vorzubeugen. Auch in diesem Fall werden die ältesten Einwohner als Grenzzeugen verhört.

Über den weiteren Verlauf und den Ausgang des Prozesses ist leider nichts zu erfahren.

 

1.15.5     Die napoleonische Besatzung v. 1803 - 1813

Gerhard Schramm

 

Napoleon überfiel das kleine Kurfürstentum Hannover, das nach kurzer Zeit im Juli 1803 besetzt wurde.

 

Seit dieser Zeit entnehmen wir dem Quittungsbuch Esperde, Amt Grohnde, viele zusätzliche Ausgaben an die französische Armee. Immer wiederkehrend waren es anteilige Kosten an Kriegsfuhren. In Monat November 1806 bekam die französische Armee in Hameln Branntwein, Kühe und Salz geliefert. Der Esperder Anteil betrug dafür, 24 Thaler, 16 Groschen und 2 Pfennig. Abgerechnet wurde über das Amt Grohnde.

 

Große Zahlen traten vor allen Dingen 1804 - 05 auf, wenn die Magazine in Hameln mit Lebensmittel und Pferdefutter aufgefüllt wurden. Im Oktober 1804 z. B. waren es für Esperde  158 Thaler, 4 Groschen und 4 Pfennig. Noch viel schlimmer kam es im November 1804: 230 Thaler, und 9 Groschen quittierte das Amt.

 

Das Land war nun ausgelaugt und konnte nicht mehr bezahlen. Bis zum Ende der Aufzeichnungen 1811 pendelten die monatlichen Abgaben wieder bei etwa 17 Thalern ein. Trotzdem waren die Calenberger froh, ihre Unterdrücker im Oktober 1813 abziehen zu sehen.[vi]

 

Für das militärische Fuhrwesen der preußischen Besatzungsmacht wurden im Amt Grohnde, am 13. August 1806, 16 Pferde ausgehoben.

 

Esperde musste 2 Pferde stellen, die durch einen Knecht nach Hameln gebracht wurden.

 

Die Wahl fiel auf Casper Grupes 8-jährige Stute, hellbraun mit Stern. Nach langer Zeit erhielt er für das Pferd 42 R. Thaler, 28 Mgr.

 

Das zweite Pferd war Christoph Düvels 7-jähriger Wallach, kastanienbraun. Er erhielt 43 R. Thaler, 20 Mgr.

 

Zwei Reserve-Pferde mussten die Meier Christian Schmalkoke und Wilhelm Sporleder bereitstellen.

 

Der Pferde-Bestand in Esperde 1806:

 

66 Stück Meier Pferde

69 Stück Köthner Pferde[vii]

 

1.15.6     Zum Französisch – Deutschen Krieg 1870-71

Gerhard Schramm

 

Trotz intensiver Suche ist über diesen Zeitraum, sowie über den deutschen Bruderkrieg 1866 sehr wenig zu erfahren. Aus mündlichen Überlieferungen hat ein Schmalkuche Nr. 40 am Feldzug 1870/71 teilgenommen. Er kam schwerverletzt an den Füßen zurück und musste bis zu seinem Lebensende an den Folgen tragen.

 

Der Gemeindevorsteher Christoph Düvel schreibt an das Königliche Amt Hameln:

Ich zeige dem Königlichen Amte Hameln hiermit an, dass von der Gemeinde Esperde, während der Dauer des Krieges gegen Frankreich keine unentgeltlich Kriegsleistungen ausgeführt sind.[viii]

 

Esperde, den 8ten März 1872                                                                            Düvel

                                                                                                                     Gemeindevorsteher


 

[i] Dewezet 1965

[ii] Geschichte des Landkreises Hameln-Pyrmont von Dr. Moritz Oppermann

[iii] Nds. Staatsarchiv Hannover 74 Hameln 456

[iv] Staatsarchiv Wolfenbüttel. 26 Alt. Nr. 1310

[v] Staatsarchiv Wolfenbüttel. 26 Alt. Nr. 1292

[vi] Der Ortschaft Esperde, Quittungs Buch, v. 1768

[vii] Nds. Staatsarchiv Hannover 74 Hameln 456

[viii] Nds. Staatsarchiv Hannover 74 Hameln 653