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1.2 Der Name Esperde

Prof. Dr. Jürgen Udolph[i]

 

1130 Vesperdon (hierher nach E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts‑ und sonstige geographische Namen, 1. Hälfte, Bonn 1913, Sp. 876 nach Würdtwein VI 438); der Beleg ist sicher nicht richtig zugeordnet, vgl. Vesperethe, Wg. im Kr. Büren, z.B. Vita Meinwerei Vesperdon.

 

1151 in Everesvorde (Urkundenbuch Hochstift Hildesheim 1 Nr. 275 S. 258)

(ca. 1237‑47) (K. 16.Jh.) (A. 16. Jh.) in Eversvorde (UB. Hameln I S. 19)

1286 in Eversforde (Berner, Grohnde 58)

1290 in Eversforde (UB. H. Hildesheim IH S. 457)

1333 in Eversvorde (UB. H. Hildesheim IV S. 723)

1350‑60 in Eversforde (Berner, Grohnde 58)

1354 to Eversforde (UB. H. Hildesheim V S. 330)

1354 (A. 18. Jh.) Eversforde (UB. Hameln 1 S. 341)

1356 (A. 18. Jh.) to Eversworde (UB. Hameln 1 S. 357)

1359 to Eversforde (UB. H. Hildesheim V S. 518)

1365 Eversforde (Hake 55)

1378 (K.) Eversvorde (UB. H. Hildesheim VI S. 215)

1380 (gleichzeit. A.) Eversvorde (UB. H. Hildesheim VI S. 287)

1389 to Eversforde (UB. H. Hildesheim VI S. 601)

1392 to Eversvorde (UB. H. Hildesheim VI S. 758)

1392 (A. 16. Jh.) to Eversvorde (UB. H. Hildesheim VI S. 757)

1395 in Eversvorde (UB. H. Hildesheim VI S. 868)

1400 Eversvorde (Hannoversches Magazin 1848, S. 183)

1484 Evesforde (UB. Hameln 11 S. 71, Anm. 1)

1502 Esvorde (Berner, Grohnde 59)

1547 Esvorde (Calenberger UB. IR S. 535)

 

17.Jh. Asperde (Nass 211)

 

Zu den Belegen: Sieht man von dem bei Förstemann herangezogenen, äußerst fraglichen Beleg ab, so ist die Überlieferung klar: eine Grundform Eversvorde, ‑forde ist bis zum 14. Jh. konstant. Dann wirkt der Akzent, die Nebentonsilben schwinden über Evesforde und Esvorde. Die junge Form Esperde geht wohl auf eine unverständlich gewordene Variante *Esferde o.ä. zurück. Vielleicht hat dann die Espe eingewirkt (s. aber unten Freydancks Überlegungen).

 

Bisherige Deutungen:

E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 2: Orts‑ und sonstige geographische Namen, 1. Hälfte, Bonn 1913, Sp. 876 basiert seine Deutung auf dem falsch zugeordneten Beleg Vesperdon. Im Hann. Magazin 1848, 183 heißt es zum Namen:


"Vorde deutet auf eine seichte Stelle an einem Wasser, wo sich durchwaten ließ          .....      
die Furt des Eber oder an Ebers Hofe".

 

S.D.G. Freydanck, Die Bedeutung der Ortsnamen des Kreises Hameln‑Pyrmont,

Hameln 1929, S. 48 bietet einen interessanten Deutungsversuch. Im Grundwort

sieht er ndt. forde, vorde Jurt". Im Bestimmungswort vermutet er eine

Klammerform (Haplologie) *Eversteinforde und sieht darin den Namen der

Besitzer der Siedlung, nicht zuletzt deshalb, weil diese in Urkunden von 1399 und

1402 als Zubehör des Eversteinschen Hauses und Amtes Ohsen erwähnt werden.

Bei L. Bückmann, Über die Ortsnamen des Kreises Hameln, Niedersachsen

35(1930)310‑315 wird S. 314 zunächst zu dem umstrittenen Beleg Stellung

genommen: "In Esperde will man das 1130 bezeugte Vesperdon erkennen, das

zweifellos denselben Namen trägt wie eine Wüstung bei Fürstenberg, Kr. Büren ...

Auffällig ist bei Esperde aber der Verlust des anlautenden v, der nur verständlich

sein würde, wenn in der Regel ein Wort wie hof davor gesprochen wäre. Wenn der

Ort 1399 Eversvorde geheißen hat, so ist das ein ganz anderer Name als Esperde;

dies sieht eher wie eine Ableitung von aspa "Espe" aus ......

 

Deutung: Dieses Mal irrt Bückmann. Die Überlieferung ist einwandfrei, Esperde trug Jahrhunderte lang den Namen Eversforde. Zur Entwicklung des Namens in jüngster Zeit hat Freydanck einen guten Vorschlag. Er schreibt (S. 48f.): "Das in den urkundlichen Bezeichnungen forde, worde und vorde enthaltene o verwandelte sich im Laufe der Zeiten über oe in das heutige e, wie bei Afferde, Latferde, Verden a/A. u.a., und an die Stelle des ‑ oder v‑Lautes trat das niederdeutsche p, wie in unzähligen anderen Wörtern, z.B. Perd statt Pferd, Kop statt Kopf, Wappen statt Waffen, slapen statt schlafen ... usw., so daß das ursprüngliche Grundwort verde zu dem heutigen perde sich gestaltete". Somit ist das Grundwort gut zu bestimmen: es ist das ndt. Furt‑Wort. Das Bestimmungswort kann kaum als Everstein angesetzt werden; der Name ist sicher älter als die bei Freydanck angenommenen Besitzverhältnisse. Am ehesten wird man den alten PN. Ebur (ein bei Männern beliebter Name, vgl. E. Förstemann, Altdeutsches Namenbuch, Bd. 1: Personennamen, Bonn 1900, Sp. 428) vermuten dürfen, vgl. bei Förstemann 1439 Eparaspach, Eburesberg, Eperespouma, Eburspiunt, Eberesburc u.a. Aber auch der Tiername des Ebers kann herangezogen werden. Es läge dann eine Parallele zu Ochsenfurt, Schweinfurt und Oxford vor.

 

Erstens hat der Name mit den Eversteins nichts zu tun. Zweitens man muß sich entscheiden: Liegt die Furt eines Ebers vor oder die Furt, die in einer Beziehung zu einer Person namens Eber, Ever gestanden hat? Was gegen die "Furt eines Ebers" spricht, ist die Tatsache, daß bei der Kombination von Tierbezeichnungen + ‑furt, ‑ford, ‑förde im allgemeinen die Tierbezeichnung im Plural (in der Mehrzahl) erscheint: jurt der Schweine, Furt der Ochsen" usw. Die "Furt eines Ebers" macht daher doch etwas Schwierigkeiten. Aber wo ist die Lösung?

 


 

[i] Schreiben von Prof. Udolph an Gerhard Schramm vom 4.6.2000