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1.9 Verkehrsverbindungen

 

Gerhard Schramm

 

Unser Dorf Esperde lag von jeher weitab von den Hauptverbindungsstraßen. Für unsere Vorfahren bestanden keine großen Möglichkeiten Reisen zu machen, außer, sie mussten auf dem Amt in Grohnde Hand- und Spanndienste leisten. Die meisten Leute gingen zu Fuß oder fuhren mit Pferd und Wagen in die nähere Umgebung.

 

Abschrift einer Kopie.

 

An das Königliche General Post Direktorium

zu Hannover.

 

Bericht der Postspedition Grohnde vom 24. Oktober 1865.

 

Betreffend des Zustandes des von hier über Esperde führenden Gemeindeweges wird folgendes berichtet:

 

Der bei dem Wiedereintritt feuchter Witterung zu befahrende über Esperde führende Gemeindeweg ist an einigen Stellen noch ganz ohne Steinschlag und der im Laufe dieses Sommers vor Börry aufgetragende Steinschlag ist bis jetzt noch nicht festgewalzt. Auf der Strecke von Harderode bis Esperde ist der Weg auf Braunschweigischem Gebiet ebenfalls nicht besonders, da eine Strecke noch ohne Steinschlag, die andere mit Steinschlag versehende Strecke aber auch nicht festgewalzt ist. Voraussichtlich wird daher bei anhaltendem Regenwetter der Weg über Esperde ohne Vorspann nicht zu fahren sein.

 

Die Einwohner der Gemeinde Esperde sind gegenwärtig mit Anlegen von Koppelwegen beschäftigt. Auch der mit der Post zu befahrende Weg wird an einigen Stellen verlegt werden, weshalb sehr zu empfehlen ist, dahin zu wirken, daß amtseitig dafür gesorgt wird, daß man die Verlegung dieses Weges bis nächsten Sommer aufschiebt, den bei etwaigen Umbau des Weges im Winter wird die Passage gänzlich gehemmt werden.

 

                                                                                  gez. Sagebiel[i]

 

Ab den Jahren 1870 - 1880 durchschnitten auch Eisenbahnlinien das Weserbergland. Das 10 km entfernte Emmerthal bekam einen Bahnhof. Obwohl in Hagenohsen noch keine Straßenbrücke bestand, war es doch ein großer Fortschritt. Ein paar Jahre später erhielt Behrensen einen Bahnhof, der von den Esperdern hauptsächlich für Reisen in Richtung Hildesheim benutzt wurde.

1900 entstand die Vorwohler-Emmerthaler-Eisenbahn und damit der Bahnhof Bodenwerder-Linse (8 km). Eine Erleichterung für die Reisenden kam 1911, als vom Bahnhof Emmerthal nach Esperde zweimal täglich ein Pferdeomnibus verkehrte. Obwohl viele Leute bei der damals notwendigen Sparsamkeit mitgefahren oder lieber zu Fuß gelaufen sind?

Die Endstation dieser Linie war bei Gastwirt Hermann Grupe, wo auch die Pferde gefüttert wurden. In der Grundmauer der Veranda kann man noch heute die Anbinderinge sehen.

In Hameln wurde im Juni 1925 die Kraftverkehrsgesellschaft gegründet, und die erste Überlandlinie verkehrte noch im gleichen Jahr über Börry nach Esperde. Nun war die Endstation an der Gastwirtschaft Wilhelm Schütte, in dessen Scheune der Bus seine Garage hatte. Bekannt als Busfahrer aus der Vorkriegszeit ist der in Esperde geborene Wilhelm Brinkmann. Zuverlässig führte die KVG den Betrieb bis in die letzten Tage des Krieges durch.

 

Taschenfahrplan 1938

 

Ab August 1945 nahm die Gesellschaft die Fahrten wieder auf. Viele, viele Personen wollten nach oder kamen von Hameln. Die Fahrzeuge waren im abgefahrenen Zustand: Wehrmachtsbusse, als Kurzschnauzer im Fliegergrau, teilweise mit Anhänger, rollten unentwegt über die schlechten Straßen. Wie viel mal haben wohl Fritz Meyerding, der Fahrer und Heinrich Kollmann, der Schaffner, auf der Schlaglochstrecke Heyen-Brockensen die Reifenpannen behoben?

 

Von den vielen Fahrern sind noch Hubert Merferd und die Schaffnerin Senta in Erinnerung. Übernachtet wurde bei Gastwirt Fischer und später bei Willi Schottel.

 

 Bus vor dem Gasthaus Schottel

 

In der Nachkriegszeit hatten die Esperder bei dieser Linie einen leichten Vorteil. Der Bus wurde in Esperde eingesetzt, wodurch man einen Sitzplatz bekam; ab Börry gab es nur noch Stehplätze.

Bei der Abfahrt am Hamelner Bahnhof kam es stets zu einer großen Drängelei, alle wollten mit. Der Busfahrer rief: ” Erst die Monatskarten”. Der Bus war dann schon zu 70 % besetzt. Nun rief er ”Esperde” auf, darauf Heyen und Brockensen. Die Börryaner standen anschließend wie die Ölsardinen oder warteten auf den nächsten Bus.

Höflichkeit zum Personal zahlte sich aus, der Platz auf der Motorabdeckung der Kurzschnauzer konnte sicher sein.

Ab der Währungsreform 1948 normalisierten sich langsam diese Zustände. Verbesserungen im Zeittakt und der Qualität der Fahrzeuge waren deutlich spürbar.

Die Linie wurde ab 1958 von der Bundespost übernommen. Alles blieb beim alten, nur die Busse waren jetzt postgelb und drei neue Fahrer traten in Erscheinung: Fritz Hundertmark, Ernst Arnemann und Heinz Sander. Diese übernachteten nun bei der Familie Düvel.

Über 10 Jahre bestand eine Omnibuslinie der Bundespost, die über Esperde nach Bodenwerder führte. Hier war der allseits bekannte Sangesbruder Erich Schröter der Busfahrer. Der später eingerichtete Verkehrsverband brachte dann die RVH und nun wieder die KVG auf die Straßen des Ilsetales.

Durch die Einbeziehung der Schulkinder zum Schulzentrum in Emmerthal hat sich die 75jährige Überlandlinie Hameln-Esperde gefestigt.

 

Um 1850 wurde die Straße von Hameln nach Einbeck ausgebaut. Die Benutzer sollten die Kosten mit aufbringen. So waren 1853 in Börry und Hagenohsen z. B. Chausseestellen an denen Wegegeld bezahlt werden mussten.

 

1 beladener Wagen

1 Mariengroschen

1 unbeladener Wagen

6 Pfennig,

1 Hornvieh

6 Pfennig

1 Pferd

6 Pfennig

Schafe, Ziegen, Schweine

je 1 Pfennig

 

Große Aufmerksamkeit schenkten die Bediensteten der Obrigkeit der ordnungsgemäßen Bezahlung, Umgehungen wurden streng bestraft.[ii]


 

[i] Nds. Staatsarchiv Hannover 74, Hameln 4066

[ii] Nds. Staatsarchiv, Hann. 74 Hameln 4025