Startseite Übergeordnete Seite

2 Schule

 

Margret Schacht

 

Die Geschichte der Schulen auf dem Lande ist eng mit der Geschichte der Kirchen verbunden. Entstanden sind die Schulen aus den Bedürfnissen der Reformation. Die Einführung in die evangelische Kirchenlehre erforderte einen Unterricht im Katechismus für Erwachsene und Kinder, der im Anschluss an den sonntäglichen Gottesdienst vom Pfarrer, für die Kinder dann in besonderen Schulen durch den Küster erteilt wurde.

 

Die Schulordnung von 1650 setzte einen Schulzwang für die Wintermonate fest. Kinder von 6 bis 12 Jahren wurden täglich 6 Stunden unterrichtet, je 3 Stunden vormittags und nachmittags. Als Unterrichtsfächer Katechismus lesen, Schreiben und erst viel später Rechnen.

 

2.1     Aus der Schulchronik

 

Die äußere Einrichtung der Schule.

 

Laut Tradition ist die hiesige Schulstelle eine Reihestelle gewesen. Von dem Kötner Schmalkuche vor dem Ostertore (heute Sander) wurde in einer Baracke, die zu seinem Hof gehörte, ein Zimmer eingerichtet. Es waren nur wenige Kinder. Das vorletzte Schulhaus nebst Zubehör soll von zwei alten Jungfern der Gemeinde geschenkt sein. Das jetzige Schulhaus ist im Jahre 1873 von der Gemeinde erbaut. Es kostete 2100 Rth.. Die vom Hause leider getrennte Stallung wurde im Jahre 1874 für den Preis von 400 Rth. gebaut. Wegen Ersparnis ist das Haus leider so schlecht ausgefallen, dass Herr Superintendent Rautenberg gesagt hat: ”Es ist das schlechteste Haus in der ganzen Inspektion”.

Zu der Schulstelle gehören auch einige Morgen Land und eine Holzteilung. Herr Lehrer Schubat hat uns einige Aufzeichnungen darüber hinterlassen.

 

Nachrichten zu der zur Schule gehörenden Holzteilung.

 

Selbige fängt an der rechten Seite, wenn man durch den Graben kommt, an Eichofs Kampe an und geht so gerade an der Hirtenteilung herauf bis auf den Berg. An der linken Seite an dem Graben, bis zu der an dem Graben stehenden Eiche, bis an die Harderoder Ecke, bis Ahrens Mergelkuhle.

 

2.1.1     Die Lehrer

Nach den Aufzeichnungen des Lehrers Fricke, wird uns als erster Inhaber der Schulstelle zu Esperde der Schulmeister Thiele genannt. 1738 bis 1775.

 

Aus den Kirchenbüchern zu Frenke ersieht man, dass vor Thiele schon zwei oder drei Lehrer in Esperde gewesen sind. Da heißt es

 

1.   Justus Bötticher ist nach Esperde gekommen. Er wird um das Jahr 1669 als Schulmeister und Kirchendiener von Esperde genannt.

 

2.   Justus Koltzer: Ist von Frenke nach Esperde gekommen, wo er selbst auch als Schulmeister gestorben ist, am 19. Nov. 1717, 87 Jahre alt.

 

3.   Über die Jahre 1717 bis 1738 findet man keine Aufzeichnungen. (Wahrscheinlich Johann Heinrich Thiele).

 

4.   Im Jahre 1738 wurde Joh. Hermann Thiele Inhaber der Schulstelle zu Esperde und ist dort Schulmeister gewesen bis zum Jahre 1775, also 37 Jahre.

 

5.   Am 2. April 1775 wurde Lehrer J. Wilh. Schubach in Esperde eingeführt. ”Anno 1775, den 2. April, habe ich J. W. Schubach, zum 1ten mal den Gottesdienst in der hiesigen Kirche verrichtet und bin des nachmittags von dem heiligen Pastor Raven geprüft worden”. In den Jahren 1807, 1808 und 1809 war in Esperde und Umgegend ein sehr starkes Hagelwetter. 1808 verhagelten dem Lehrer Schubach zweieinhalb Morgen Gerste und 1809 alle seine Früchte. Infolge dieses Unwetters hat die Gemeinde zum ersten Male am 1. Mai 1810 einen Hagelfeiergottesdienst abgehalten. Lehrer Schubach starb im Dezember 1815, nachdem derselbe über 40 Jahre im Segen gewirkt hatte.

 

6.   Am 6. Mai 1816 trat Kantor Heuer den hiesigen Schul- und Küsterdienst an. Nachdem er etwa 8 Jahre hier gewesen war, wurde er Lehrer in Tündern, wo er auch in hohem Alter gestorben ist.

 

7.   Im Jahre 1824 wurde Lehrer Bodenstab durch Herrn Pastor Bethe in sein Amt eingeführt. Nach einjährigem Hiersein wurde derselbe im Jahre 1825 Lehrer am Stockhofe in Hameln, wo er auch im hohen Alter gestorben ist.

 

8.   Im Herbst des Jahres 1825 wurde der Lehrer Völker von Latferde, wo er bereits sieben Jahre gewirkt hatte, nach Esperde versetzt. Derselbe feierte in Esperde am 9. Juli 1868 sein 50jähriges Jubiläum. Die Gemeinde brachte dem sehr beliebten Lehrer einen glänzenden Fackelzug und beschenkte ihn mit einem Sessel, die Lehrer mit einem Regulator (Pendeluhr), der heil. Superintendent Isenberg mit einer prächtigen Bibel und der Kaiser mit dem allgemeinen Ehrenzeichen. Lehrer Völker starb in Esperde den 9. Sept. 1869 an der Wassersucht im Alter von 72 Jahren, 5 Monaten und 22 Tagen. Er war hier im Ort 44 Jahre Lehrer.

 

9.   Am 5 . Mai 1865 wurde dem alten Lehrer Völkel der Lehrer H. Fricke als Gehilfe beigegeben. Nach Völkers Tod wurde er Inhaber der Schulstelle. Am 5. Mai 1890 war derselbe 25 Jahre am hiesigen Platze. Der Tag wurde dem Lehrer insofern ein Gedenktag, weil ihm die Gemeinde einen Fackelzug brachte und die Schulvorsteher, der heil. Pastor Niemack und die Schulkinder ihn mit Geschenken überhäuften. Seine Ehefrau beschenkte ihn mit einem kleinen Sohn. Am 1. November 1902 trat der Lehrer Fricke in den Ruhestand.

 

10. Am 4. Januar 1903 wurde Lehrer Fr. Marok in sein Amt eingeführt. Bis zum 1. Mai 1907 wirkte er hier im Orte, wurde dann versetzt. Vom 1. Mai bis 1. Oktober 1907 blieb die Stelle unbesetzt. Der Unterricht wurde von den Lehrern aus Börry erteilt.

 

11. Am 7. Oktober 1907 wurde Lehrer Georg Wieting eingeführt, geboren am 8. 9. 1874, er kam aus Steinau Reg. Stade. Herr Pastor Schmidt aus Niederbörry führte ihn in sein Amt ein. Am 1. April 1920 konnte derselbe auf seine 25jährige Dienstzeit zurückblicken. Am 1. Juli 1923 wurde ihm der Kantortitel verliehen. Am 1. April 1929 trat Lehrer Wieting in den Ruhestand.

 

Esperder Schüler 1909

 

12. Am 1. April 1929 wurde der Lehrer, Wilh. Fischer geb. 20. 10. 1900, von Diepholz nach Esperde versetzt. Seine Einführung erfolgte am 9. April 1929 durch Herrn Schulrat Hohmann. Am 1. Juni 1929 wurde Lehrer Fischer für den Schulverband Esperde endgültig angestellt. Am 1. April 1933 wurde Lehrer Fischer Mitglied der Nationalsozialistischen Bewegung. Gleichzeitig wurde er Propagandaleiter und später Organisationsleiter.

 

Schüler mit Werbeschild für Kornfranck 1931

 

Am 1. Oktober 1939 wurde Lehrer Fischer nach Lachem versetzt. Vorübergehend wurde die Schulstelle von Schulamtsbewerberin Gertrud Schramm besetzt. Später wurden die Kinder aus Esperde mit den Kindern aus Brockensen zusammen unterrichtet. Sie mussten täglich nach Brockensen zum Unterricht gehen.

 

 Einschulung 1938

Heinz Weßling, Hanna Gründel, geb. Kohlenberg, Ludwig Hundertmark,
Margret Gründemann, geb. Sporleder, Wilhem Albrecht

 

Seit dem Jahre 1941 erlernen die Kinder statt der bisher üblichen Frakturschrift nur noch die Antiqua Schrift

 

Am 1. Dezember 1943 wurde die Stelle neu eingerichtet. Zu diesem Zeitpunkt trat Lehrer Erich Sürig, geb. 23. 6. 1896 in Hannover-Linden, sein Amt an.

 

Am 1. 3. 1945 wurde auf Anordnung des Regierungspräsidenten eine 2. Lehrerstelle eingerichtet, nachdem die Schülerzahl über 100 gestiegen war. Kinder aus Kriegsgebieten oder aus luftbedrohten Städten waren nach Esperde gekommen.

Diese Stelle wurde zuerst von der Schulhelferin Annemarie Dankwerts aus Harderode bis zum 29. 03. 1945 versehen. Der 2. Weltkrieg ging seinem Ende entgegen.

 

Am 6. April 1945 rückten die Amerikaner in unseren Ort ein. An eine Wiederaufnahme des Unterrichts nach den Osterferien war nicht zu denken. Im Sommer 1945 wäre der Unterrichtsbeginn schon deshalb nicht möglich gewesen, weil der Stelleninhaber Lehrer Sürig, am 26. 7. 1945 von den Engländern interniert wurde, die inzwischen das Gebiet der englischen Besatzungszone besetzt hatten. Über die Gründe der Internierung soll später gesprochen werden.

 

Nach einem Schreiben des Schulrats vom 9. 7. 1946 erteilte die Militärregierung - 504 Det. Mil. Gor Hannover die Genehmigung zur Wiedereröffnung der Schule.

Schüler mit Frl. Witt

 

Inzwischen war die zur Wahrnehmung der 2. Lehrerstelle eingesetzte Flüchtlingslehrerin Käte Witt aus Stettin, geb. am 1. 3. 1889, nach Esperde überwiesen. Der Unterricht begann nach einer Unterbrechung von etwa 16 ½ Mon. am 13. 8. 1946.

 

Vertreter des internierten Lehrers waren der aus Pommern kommende Flüchtlingslehrer Altenburg (28. 10. 1946 - 30. 11. 46)   und Hauptlehrer Erich Ludwig, Flüchtling aus Schwenten. Reg. Liegnitz (1. 12. 46 - 31. 7. 1947).

 

Durch die Internierung war Lehrer Sürig automatisch aus dem Schuldienst entlassen worden. Mit Verfügung vom 23. 6. 1947 genehmigt die Militärregierung seine Wiedereinstellung. Er konnte am 1. 8. 1947 den Unterricht in seiner früheren Planstelle erneut aufnehmen. Diese 1½ Jahre andauernde Internierung war auf falsche Tatsachen gebaut. Der Entnazifizierungsausschuss des Kreises Hameln-Pyrmont stellte zu den verlogenen Behauptungen folgendes fest: ”Der Betroffene hat durch umfangreiches Entlastungsmaterial den Beweis gebracht, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und Anschuldigungen nicht den Tatsachen entsprechen”.

 

Die Lehrerin Käte Witt trat zum 1. 3. 1950 in den Ruhestand. Nachfolgerin wurde die Lehrerin Ilse Neuenfeld, geb. 7. 9. 1921 in Hannover.

 

Die seit dem 6. 7. 1950 genehmigte 3. Schulstelle wurde am 1. 4. 1951 erstmalig durch Lehrer Joachim Worlitzsch, geb. 14. 11. 1923 in Marienfelde, Krs. Schlochau besetzt.

 

Frl. Neuenfeld wurde am 1. 4. 1952 nach Anderten bei Hannover versetzt. An ihre Stelle trat die Lehrerin Erika Schulz, geb. 4. 9. 1926 in Sorau.

 

Bei Einrichtung der 3. Lehrerstelle war der Schulleiter Sürig zum Hauptlehrer ernannt worden. Weil die Schülerzahl Ostern 1954 auf etwa 70 absinkt, muss diese 3. Stelle wieder abgebaut werden. Aus diesem Grunde wird Hauptlehrer Sürig nach Börry versetzt. Die Lehrerin Frau Hüttenbernd, geb. Schulz, die inzwischen heiratete, scheidet zum 1. April 1954 aus dem Schuldienst aus.

 

Bis 1972 unterrichtete Hauptlehrer Joachim Worlitzsch in Esperde. Neben ihm unterrichteten von 1956-1957 Lehrer Hüttenbernd, ab 1958 Lehrer Ballstaedt und später Lehrer Bergmann. Dann wurde die Grundschule aufgelöst.

Schulausflug mit Lehrer Worlitzsch Anfang der 60er Jahre

 

2.1.2     Diensteinkommen der Lehrer

Aus dem Jahre 1590 stammt ein sehr interessantes Schriftstück. Die genaue Aufzeichnung der damaligen Kirchen-, Pfarr- und Küstereinkünfte von Esperde. Von den Küstereinkünften folgt hier die alte Nachricht (Genau in damaliger Schreibweise wiedergegeben).

 

Custerei zu Esferde belangendt

 

Der Küster Sebandt Bornemann hat hierbei 7 morgen Landes. Von 4 Morgen derselben behelt ehr den Zehnten und theil.

Von 2 Morgen gibt er den Zehnten nach Osen.

Von 4 Morgen gibt er der Kirche ein Geburnus, weil er diese 4 Morgen hat. Für das Uhrwerk zu stellen 1 Malter ( mtr) Roggen.

Und dafür, dass er den ” oller leuten” die Kirchenrente aufschreibt 1 mtr. Roggen.

 

Accidentalia

 

Auff Michaelis Brott von Jeden tut

36

Brott

Auf Weihnachten 12 Würste

12

Brott

Von Kötner 1 Pf. tut

4

Kartling

Auf Ostern

40

Eier

Von der Taufe

1

Gr.

Von Begräbniß

1

Gr. oder 4 Gr.

 

Den Scheffel Roggen so er von den Haus- und Gemeine hat Pflegen bekommen. Haben sie ihn in langer Zeit nicht gerichtet 5 Malter.

Auch ein Wisch ist dem Cüster daselbst von seinem Wirth aliensert wurden, die Itsiger Zeit, die Ludeken für Ihr Erbe anziehen.

 

 

Über das Küstereinkommen aus dem Jahre 1797 heißt es:

 

”Specificatio dessen was der Küster jetzt jährlich von der Kirche bekommt und ausgeben muß.

 

Salarium

7 Th.

3 mgr.

Für die Führung der Kirchenrechnung

1 Th.

 

Für die Communion = Wein zu holen

 

24 mgr.

Die Altarlaken zu waschen   

 

8 mgr.

die Register einzubinden

 

3 mgr.

Schreib und Materialien

 

9 mgr.

36 mgr = 1 Th.

9 Th.

11 mgr.

 

Davon gehen ab

Für

1½ Morgen Land

24 mgr.

Für

den Kirchgraben

8 mgr.

 

bleiben

8 Th.15 mgr.

 

Von der Gemeinde wird noch auf den 1. Advent für die Orgel zu spielen bezahlt 7 Th. .

 

Für die Orgel zu spielen wird auch Stroh von den Meiern gegeben, 60 Bund welches durch die Schüler geholt werden muß.

Auch muß die Gemeinde die Betglockenstricke anschaffen, die beiden Glockenstricke zum Läuten muß der Küster anschaffen, welches in sein Salarium begriffen ist.

 

Esperde, d. 15. Okt. 1797                  G. W. Schubach

 

 

Im Jahre 1858 wurde der Dienstanschlag des Lehrers und Küsters um

            10 rh Th. erhöht und zwar von

            140 rh Th. auf 150 Th..

 

Im Jahre

1867

wurde die Stelle wieder um 10 Thaler erhöht.

Im Jahre

1871

wurde die Stelle auf 200 Th. gebracht.

 

1874

auf 250 Th.

 

1877

auf 300 Th.

 

1888

auf 1042 M.

 

1894

auf 1200 M.

 

 

In Ausführung des Gesetzes betr. das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen.

 

Vom 3. März 1897 wird das Jahresdiensteinkommen der ev. luth. Schulstelle zu Esperde vom 1. April 1897 ab wie folgt festgestellt.

 

 

1.

Wert der freien Dienstwohnung

200,- M

 

2.

Grundgehalt

1400,- M

 

 

Darunter als Entschädigung kirchl. Mühewaltung

300,- M

 

3.

Alterszulage

140,- M

 

 

Der Dienstaufschlag von 1898 lautet:

 

         1.   Dienstwohnung                                                                                    150 M

         2.   Der Dienstgarten ist dem Lehrer zu freier Benutzung überwiesen

         3.   Ackerland:

               a.   vor dem Tegttore          92 a     0,6 qm                                          147 M

               b.   auf der Tegtbreite         79 a     72 qm                                        63,75 M

               c.   auf der Wiese               41 a     0,6 qm                                       33,00 M

               d.   Nutzung der Gräserei auf den Kirchhöfen                                      6,00 M

               e.   Holzung am Lehmbrinke und Römerstein                                    12,00 M

               f.    65 Brote           a`50 ch                                                              32,50 M

               g.   14 Würste        a`70 ch                                                                9,80 M

               h.   von Gemeinheiten                                                                         1,50 M

               i.    40 Bund Stroh                                                                             6,00 M

               k.   2 Schock Eier                                                                              3,00 M

               l.    Martinisammlung                                                                          6,00 M

         4.   Accidenzien:

               a.   Taufen                                                                                         7,15 M

               b.   Aufgebots- und Traugebühren                                                    13,63 M

               c.   Sterbefälle a. Erw.  a`3,50 M

                     und 4 Kinder                            a`2,50 M                                   24,00 M

               d.                                                                                                       0,30 M

         5.   Aus kirchl. Alrarien:

               a.   für den Küster                                                                            24,25 M

               b.   für den Organisten                                                                      21,58 M

               c.   für Hagelfeiergottesdienst                                                              1,50 M

         6.   Zinsen von Küster und Ablösungskapitalien                                         4,00 M

         7.   Aus Mitteln der Schulgemeinde                                                       996,99 M

 

Abzusetzende Lasten auf ein Schulkapital                                                         10,90 M

Hof- und Landzins                                                                                             3,05 M

                                                                           Summe bleibt                   1400,00 M

 

 

            Bemerkungen:

 

1.      der auf Grund der Gesetze vom 14. Juni 1888

         31. März 1889 gewährte Staatsbeitrag beträgt                                           500 M

 

2.      Zur Heizung der Schulstube erhält der Lehrer                                               42 M

 

Nach dem Lehrerbesoldungsgesetz vom 26. Mai 1909

bezieht der Lehrer ein Grundgehalt von                                                             1700 M

dazu eine pensionsfähige Amtszulage von                                                          100,- M

 

2.1.3     Nachrichten von den Schulbegräbnissen an der Kirche.

Zur Schule gehören zwei Begräbnisse, die 1te ist die mittelste Begräbnisse zwischen Anthon Garben und Friedrich Beye von dem Stakette an 5 Gräber oder 15 Fuß lang. Die 2te ist hinter der Kirche bey der Pforte, von der Mauer oder von dem kleinen Zwetschenbaum bis Brinkmanns Begräbniß, 3 bis 4 Gräber daselbst auch wenn es eine Schulwittwe seyn sollte, daselbst beerdigt werden kann, weil die erste Begräbniß zu klein ist.

 

Hinter der Kirche ist die letzte Begräbniß dem Niedern Müller, wo die Steine stehen vor den Steinen an der Kirche gehören Holms und dem Beybauer Meyerahrens, dem ich ein Begräbniß daselbst angewiesen habe, weil die Beybauern keine eigenen Begräbniß haben. Wenn man auf Sporleders Hof gehen will, so ist die Erste an dem Turm Brinkmanns und dem Schulmeisters Begräbniß . Darauf folgt die Begräbniß die Helmers gehöret. Der andere räumliche Platz gehöret der Kirche und muß der Küster demjenigen welche keine Begräbnisse haben einen Platz anzeigen.47

 

Esperde, 22. Januar 1800

 

                                                                       Schubach

                                                                       Schulmeister

 

 

Von dem Tode des Capitain Lieutenant Rambke berichtet Schulmeister Schubach folgendes:

 

Am 4ten Juli 1777 ist der Herr Capitain Lieutenant Jacob, Gideon, Friedrich Rambke mit dem Tode abgegangen und dem 8ten dieses morgens zwischen 5 und 6 Uhr in der stille, in der Kirche zu Esperde auf dem Chor beerdigt worden.

 

Darauf hat er der Kirche vermacht 30 Reichsthaler, dem Pastor Raven 10 Thaler und dem Schulmeister 5 Thaler. Er ist im Jahr 1711, den 3ten Januar zu Enstroph gebohren, alt geworden 66 Jahr, 6 Monat und 1 Tag. 47

 

 

 

2.1.4     Protokolle Schulvorstandssitzungen


1908

 

 

 

 

 

Herrn Ricke, Vollmeier
Heinr. Schacht, Anbauer
Heinr. Eickhof, Kötner
Carl Nagel, Vollmeier
H. Schütte, Vorsteher u. Kötner,
G. Wieting, Lehrer
Schmitt, Pastor
als Vorsitzender

 

Sitzung des Schulvorstandes im Küsterhaus zu Esperde am
14. Mai 1908

 

In Ausführung dem hiesigen Schulvorstandes von Seiten des königl. Landratsamtes am 14./ XII 1904 zugegangenen Schreibens.

In dem selber aufgefordert wird die vorgefundenen Mängel zubeseitigen. Unter anderen auch eine Mauer oder ein Staket vor dem Schulhaus zur Verhütung von Unfällen zu ziehen, wird beschlossen eine Mauer auf die Grenze des Schulgebäudes und Landstraße in 1 m höhe zu errichten. Und zwar vom Spritzenhaus beginnent hier an dem Falloch in etwa 20 m Länge. Doch soll die Herstellung der Mauer nur geschehen, wenn die Landstraßenverwaltung sich damit erklärt, einen Teil der Kosten zu tragen.

Die Gemeinde ist nun bereit eigene Mittel hier für zu suchen.

 

 

V. g. u. U. (vorgelesen u. unterschrieben)

 

            Schmitt

            Wieting, Schütte,

            Schacht, H. Eickhof

            H. Ricke

 

           

 

 

1920

 

 



Vorsteher Heinr. Schütte
Schulvorsteher K. Nage

            ”               H. Eickhof

            ”               H. Schlüter

            ”          K. Kraft

Vorsteher Lehrer Wieting

Esperde, d. 13. 11. 1920

Sitzung des Schulvorstandes von Esperde, gegenwärtig nebenstehende Schulvorsteher. 1. Es wird zuerst die Verfügung der Regierung Abt. für Kirche und Schule II 5608 über Aufstellung eines Bestandsverzeichnisses vorgelesen.

Dieses Bestandsverzeichnis ist vom Lehrer Wieting aufgestellt und vom Schulvorstand nachgeprüft.

Der erwählte Ausschuß zur Nachprüfung dieses Bestandsverzeichnisses besteht aus den Herrn, Vorsteher H. Schütte und Landwirt H. Eickhof.

2. Für Reinigung der Schule bekommt Frau Ww. Beye 80,- M im Jahr.

 

Wieting

Schütte
K. Nagel

H. Eickhof

H. Schlüter

K. Kraft

 

 

 

 

 

 

1930

 

Esperde am 14. 11. 1930

 

In der ordnungsmäßig einberufenen gemeinsamen Sitzung des Ausschusses und Schulvorstandes waren untenstehende Herren erschienen.

 

Es wurde das Schreiben der Regierung vom 18. 9. 1930 bekannt gegeben.

 

Der Antrag der Handarbeitslehrerin auf Vergütung von 100,- RM. für den Handarbeitsunterricht wurde angenommen.

 

Es wurde beschlossen, drei Schulbänke reparieren und die Tischplatten streichen zu lassen.

 

Dem neuen gegründeten Frauen und Jungmädchenchor wird das Schulzimmer zur Verfügung gestellt.

 

Es wurde beschlossen, gemeinsam in der Deister- und Weserzeitung dem scheidenden Gemeindevorsteher Schütte für seine 40jährige Tätigkeit zu danken.

 

 

Der Gemeindeausschuß:

der Schulvorstand:

Otto Lemke

Otto Lemke

H. Steffen

Karl Nagel

Herm. Strüber

Herm. Strüber

Herm. Hobein

Karl Kraft

Heinr. Brinkmann

Wilh. Bode

Friedr. Lange

 

Hermann Meyer

 

 

 

Esperde den 19. 12. 1930

 

In der ordnungsgemäß einberufenen gemeinschaftlichen Sitzung des Gemeindeausschusses und Schulvorstandes in der Gastwirtschaft Grupe am 19. 12. 1930 abend 7 ½Uhr waren unterzeichnende Herren erschienen. Zu dem Schreiben des Amtsgerichtes vom 25. 11. 1930 wurde folgende Stellung genommen.

 

Der Gemeinderat und der Schulvorstand nehmen mit Befremden Kenntnis von dem Schreiben des Amtsgerichts vom 25.11.1930. Nach dem Schreiben ist der Kirchengemeinde Esperde ein Nutzungsrecht an dem im ersten Stockwerk des Schulhauses befindlichen Südosteckzimmer eingetragen.

 

In der Einzelvollmacht, die dem Vertreter der Schulgemeinde, dem ehemaligen Schulvorsteher Herrn Schütte gegeben wurde, seine Unterschrift nur zu der Festlegung der Grenzen zwischen den Ländereien der Kirchengemeinde und der Schulgemeinde zu geben.

 

Der Gemeindeausschuß und Schulvorstand beantragen infolgedessen die Löschung der obengenannten Eintragung.

 

Der Gemeindeausschuß:

Der Schulvorstand:

Leweke

Fischer Vors.

Herm. Hobein

Leweke

Friedr. Lange

K. Nagel

Heinr. Brinkmann

Karl Kraft

Herm. Strüber

Herm. Strüber

Herm. Steffen

 

H. Eickhof

 

Otto Lemke

 

 

2.1.5     Schulbesuch und Schulversäumnisse!

Der Schulbesuch ist sehr regelmäßig, und Schulversäumnisse kommen deshalb selten vor. Im vorigen Sommer 1913 mußten der Unterricht etwa 14 Tage für die Unterstufe ausfallen, da die Kinder fast alle an den Röteln erkrankt waren.

 

Eine alte Verfügung über den Schulbesuch lautet:

 

”Ich, der Vogt, habe in Esperde der versammelten Gemeinde bekannt zu geben, daß zufolge Königl. Konsistorie gedrucktes Ausschreibens vom 16ten Okt. dieses Jahres über den Inhalt der Schulordnung. Künftig wieder mit allem Ernste gehalten werden. Die Eltern sollen ihre Kinder zur gehörigen Zeit in die Winter- und Sommerschule schicken, und falls sie hierunter säumselig befunden werden, zuerst mit Geldstrafe und Gefängnis bestraft werden sollen.”

 

 

            Grohnde, d. 24. Okt. 1764

 

                                                           B. W. L. v. Stockhausen

 

                                                           15. Juli 1916

 

Auch von der hiesigen Schule war ein Tag zum Brennnessel holen angesetzt. Mit 25 kleinen Handwagen zogen alle Schulkinder fröhlich in den nahen Wald. Mittags brachten sie eine Menge Brennnessel gebündelt heim.

 

In den Wehen des 1. Weltkrieges 1914 - 1918 wurden die Brennnessel für Tee, aber auch zum spinnen und weben gebraucht. Es wurden daraus Stoffe hergestellt.

 

Merkblatt für die Brennnesselernte.

 

Zeit:

Wenn die Brennnessel zu blühen beginnt.

Höhe:

Etwa 80 cm

Abschneiden:

dicht an der Erde

Vortrocknen:

auf dem Feld oder auf Sand

Nachtrocknen:

auf der Scheune

Wenden:

oft und vorsichtig

Bündeln:

wie Getreide

 

Auch vom Frauenverein wurden Brennnesseln gesammelt und hinter der Kirche zum Trocknen ausgelegt.

 

 

Feiertage und Schulfeste

 

Am 5. Juli 1913 wurde hier zum ersten Male ein Schulfest gefeiert. Die Kinder traten pünktlich vor der Schule an. Zuerst die Mädchen, voran die Trommler und Pfeifer aus Börry. Dann folgten unsere Knaben, voran die Posaunenbläser aus Börry unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Pastor Schmidt. Der Zug bewegte sich durch die Osterstraße zum Jakobs-Garten, der uns von Fr. Direktor Samuel gern als Festplatz bereit gestellt war. Auf dem Festplatz wechselten Turnübungen, Turnspiele, Reigen, Gesang und Ansprachen mit einander ab. Der Lehrer Wieting hielt eine Ansprache über ”Preußens-Knechtung”, und der Herrn Pastor Schmidt über ”Preußens-Erhebung”. Das Fest nahm für Eltern und Kinder einen schönen Verlauf.

 

 

Sedan 1913

 

1. Morgenandacht: ” Lobe den Herren den mächtigen König”

2. Ps. 103 und Gebet des Lehrers

3. Ansprache des Lehrers

4. Deklarationen ” Siegesfeier von Sedan”

            ”des deutschen Knaben Tischgebet”

5. Gesang der Kinder ”Ich hab mich ergeben.”

6. Schlußwort des Lehrers

7. Gesang der Kinder ”Ach bleib` mit deinem Segen”

            ” Ach bleib` mit deiner Treue.”

 

2.1.6     Schulstatistik

 

Jahr

Knaben

Mädchen

zusammen

1907

46

43

89

Esperde

1908

44

42

86

1909

43

42

85

1910

43

44

87

1911

45

40

85

1912

44

43

87

1913

43

40

83

1914

41

40

81

1915

58

49

107

Esperde +

1916

57

52

109

Brockensen

1917

58

64

122

1918

62

68

130

1919

51

56

107

1920

39

42

81

Esperde

1921

36

41

77

1922

32

30

62

1923

30

28

58

1924

26

26

52

1925

22

24

46

1926

20

18

38

1927

19

17

36

1928

14

20

34

1929/30

12

20

32

1930/31

17

24

41

1931/32

21

24

45

1932/33

25

29

54

1934

22

32

54

1935

18

34

52

1936

23

30

53

1937

26

22

48

1938

25

21

46

1939

21

15

36

1944

50

37

87



Etwa die Hälfte der Kinder stammt aus Esperde. Die anderen Kinder gehören zu ortsfremden Familien, die zur Zeit aus dem westl. Kriegsgebieten oder aus luftbedrohten Städten evakuiert sind.

1947

75

58

133

darunter 68 Flüchtlingskinder
besonders aus Ostdeutschland

1.8.1948

85

65

150

50 einheimische Kinder
78 Flüchtlinge + 22 Evakuierte

19.9.1949

81

73

154

darunter 77 Kinder von Ausgewiesenen und Vertriebenen aus dem Reichsgebiet östlich der Oder-Neiße-Linie

15. 5. 1950

81

77

158

darunter 81 Heimatvertriebene

15. 5. 1951

63

68

131

darunter 68 Vertriebene

15. 5. 1952

53

62

115

darunter 58 Vertriebene

15. 5. 1953

46

48

94

darunter 45 Vertriebene

 

Ferien in früherer Zeit

 

Ostern:                           11 Tg.

Pfingsten:                          5 Tg.

Sommerferien:                28 Tg.

Herbstferien:                   14 Tg.

Weihnachten:                  11 Tg.

Hagelfeier:                       1 Tag

 

 

2.1.7     Inventar-Verzeichnis der Schule

 

            16 Sitzbänke

             1 Tisch

             1 Stuhl

             1 Ofen

             1 Ofenschirm

             1 Kohlenkasten mit Schaufel und Haken

             2 Spucknäpfe

             1 Schrank

             3 Börte

             1 Geige

             1 Pult

             1 Thermometer

             1 Kasten zum Aufbewahren von Bildern

             4 Rouleaur     

             1 Holztafel

             1 Schwamm

             1 Kreidekasten

             1 Lineal

            20 Zeughalter

            40 Tintenfässer

             1 Zirkel

 

Lehr- und Lernmittel

 

1.         1 Bibel

2.         1 Sprachbuch

3.         1 Flügge und Dageförder Lesetafel

4.         Schlesinger ”Vier Jahreszeiten” (Anschauungsbilder)

5.         Backhaus und Wiese (Rechenheft mit Antworten)

6.         1 Zirkel

7.         3 Lohmeyers kulturgeschichtliche Bilder

            a.         Fr. Wilh. bei Fehrbellin

            b.         Friedrich II. bei Zorndorf

            c.         Wilhelm I. bei Gravelotte

8.         3 Lehmanns Kulturgeschichtliche Bilder

            a.         Germanisches Bauerngehöft

            b.         Sendgrafengericht

            c.         Bürger und Bauern im Mittelalter

9.         Wandkarten

            a. Holle: Globus

            b. Holle: Europa

            c. Gaebler:       Provinz Hannover

                Gaebler:       Deutschland

                Gaebler:       Planigloben

            d. Palästina

10.       Wandtafeln

            a. Eschner:       Anatomische Tafeln

            b. Wieweg:      Nützliche und schädliche Vögel

11.       1 Schulgeige

18.       Bilder

            a. Kaiserbild

            b. Lutherbild

            c. Anschauungsbilder

19.       Ergänzungen zum Seminar-Lesebuch I. Teil

20.       12 Anschauungsbilder für den bl. Geschichtsunterricht.

 

 

Seit 1936 befinden sich Eintragungen darüber im Bestandsverzeichnis.

 

1947    Für Lehr- und Lernmittel dürfen im Jahr 150,- RM und für

            Bürobedarf 25,- RM ausgegeben werden.

1949    Etat für Lehr- und Lernmittel    100,- DM

            ”          Bürobedarf                                50,- DM

1951    ”          Lehr- und Lernmittel                250,- DM

            ”          Bürobedarf                              125,- DM

1953    ”          Lehr- und Lernmittel   

                        und Bürobedarf                       350,- DM