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2.2 Unsere Schulzeit

Margret Schacht

 

Als wir im Herbst 1942 zur Schule kamen, sprach jeder Mensch vom Krieg. In dem einstigen Klassenraum war der Kindergarten untergebracht.

 

Unser erster Schultag war in der Brockenser Schule mit dem Lehrer Schäfer und später dem Lehrer Tatje. Wir gingen jeden Tag ob Sommer oder Winter zu Fuß nach Brockensen. Magdalene wurde von ihrer Mutter mit dem Fahrrad gefahren. Die guten Lackschuhe waren ihr zu klein geworden.

 

Manchmal holte uns Herr Tölke ab oder Frau Braun (Ilse Lemke) fuhr uns mit dem Pferdewagen. Im Sommer wurde im Bach vor Brockensen der Tafelschwamm naß gemacht.

 

So vergingen die Jahre, der Esperder Kindergarten zog in das Gemeindehaus (Resi Fischer). Wir Schulkinder hatten in dem einzigen Klassenraum Platz. Die Lehrer wechselten: Herr Sürig, Herr Altenburg, Herr Ludwich, Frau Neuenfeld und Herr Worlitzsch. Wenn wir nicht im Keller standen und uns vor feindlichen Fliegern schützten, wurden wir in Religion und Musik unterrichtet. Wir schrieben Aufsätze, Diktate und Rechenarbeiten, alles über Musik und Religion. Es gab kaum Hefte, einige Schüler schrieben auf Zeitungsrändern.

 

Dann kamen wir an die Lehrerin Frl. Witt. Für uns eigentlich Frau Witt. Sie kam aus Danzig. Wenn die Kreisschwester kam und zusammen mit der Gemeindeschwester Frau Beye unsere Haare nach Läusen durchsuchte, stand sie lächelnd da und wartete ab. Die Flüchtlingskinder waren noch dazu gekommen. Die Schule war einfach überfüllt. 1950 wurde Grupes Stall unter dem Saal zu einem zweiten Klassenraum umgebaut. Dort zogen die "Großen" ein (Klasse 5 - 8). Die "Kleinen" blieben in der alten Schule. In einem Klassenraum wurden vier Jahrgänge gleichzeitig unterrichtet. Es funktionierte, weil Schulleiter Sürig seinen Beruf ernst nahm. Für Schüler und Lehrer eine große Belastung.

 

Darüber hinaus inszenierte Lehrer Sürig mit großem Engagement das jährliche Krippenspiel und einmal im Jahr eine Märchenaufführung. Das Krippenspiel wurde am Heiligen Abend in der Kirche aufgeführt. Schon Wochen vorher übten wir die Lieder, die im Spiel vorkamen, dreistimmig ein. Wir Engel trugen weiße Kleider und echte Flügel (Gänsefitschen). Herr Sürig spielte die Orgel und wir Kinder das Krippenspiel vor dem Altar. Mit einem kleinen Spiegel an der Orgel hatte unser Lehrer uns jederzeit im Blick.

 

Der Höhepunkt war, wenn sieben Engel mit Kerzen in der Hand hinter dem Altar aufstiegen (Trittleiter) und ein Engel mit heller Stimme sang: "Vom Himmel hoch da komm ich her". Das Spiel beeindruckte so sehr, daß es noch einige Jahre wiederholt wurde.

 

Nach unserer Schulzeit kam Herr Joachim Worlitzsch als Klassenlehrer in unser Dorf. Als Junglehrer konnte er hinreißend Gitarre spielen. Für die Jungen war er ein Held. Er war im Krieg Pilot gewesen, erzählte man und der Krieg war erst sechs oder sieben Jahre vorbei. Herr Worlitzsch machte völlig unkonventionellen Unterricht - jedenfalls für die damalige Zeit. So gab er nachmittags für interessierte Schüler Englischunterricht. Kein Mensch hat ihn dazu gezwungen. Märchenaufführungen, Sportfeste, eine Fahrt in die Lüneburger Heide und Gitarrenstunden, immer zur Freude der Kinder. Frau Worlitzsch war auch manchmal dabei. Heute noch profitieren seine Schüler von dem, was sie bei Lehrer Herrn Worlitzsch gelernt haben.

 

Ein neues Kleid zur Prüfung und zur Konfirmation musste sein. Wir konnten uns jetzt wieder schick machen. Es war das Jahr 1951. Der Konfirmationstag wurde im Familienkreis gefeiert. Meine Geschenke zur Konfirmation von den Eltern und Paten waren ein Gesangbuch, Schmuck und ein Fahrrad.

 

In der Schulzeit gingen wir zur Tanzstunde. Die Tanzlehrer kamen zu uns auf die Dörfer, bei den vielen Kindern lohnte es sich. Nachmittags für Kinder, abends für Jugendliche. Wir zogen unser Sonntagskleid an. Ich hatte schon eine Handtasche. Unsere Mieterin Frau Steiger hatte sie mit Kreuzstich gearbeitet. Eine für Tochter Liesel und eine für mich. Das Besondere daran war der Reißverschluss. Wir lernten Wiener Walzer, Polka und offenen Rheinländer. Beim Rheinländer konnte ich die Arme so schön schwingen. Zum Abschlussball wurden unsere Eltern eingeladen. Tanzstunde war für jeden ein Muss. "Wer nicht tanzt, steht an der Theke!" sagte meine Mutter.