3.1 Die Pfarrer
Aus der Schulchronik
Eine Kirche steht seit alten Zeiten im Orte, die vor der Reformation auch eine eigene Pfarrei gehabt zu haben scheint. Seit der Reformation, die hier im Jahre 1539 durchgeführt wurde, ist die Esperder-Pfarrei eine ”Wanderpfarre” gewesen, d. h. die pfarramtlichen Geschäfte wurden, da die Pfarrstelle für einen eigenen Inhaber zu klein war, von benachbarten Geistlichen versehen. Eine Zeit lang gehörte Esperde zu Heyen und von etwa 1575 - 1664 zu Ober-Börry. Im Jahre 1590 versah den Esperder Pfarrdienst der Pastor der Oberen-Kirche in Börry, Franz Mollerus, welcher am 11. Sept. 1575 ordiniert und eingeführt wurde. Er betreute beide Kirchen bis zu seinem Tode, Johannis 1622.
Im Jahre 1624, als am 20. Sonntag nach Trinitatis Ludolf Hetling als erster Superintendent der neu errichteten Inspektion Börry eingeführt wurde, ist Esperde mit der Pfarrei Nieder-Börry zusammen gekommen. 1757 wurde Pastor Raven in Nieder-Börry Pastor und verblieb es bis zum Jahre 1780. An seine Stelle kam der Pastor Sostmann, der am 23. April durch den Superintendenten Koch ordiniert ist.
Am 27. Jan. 1782 wurde der Pastor Leo von dem Superintendenten Koch in sein Amt eingeführt.
Den 3. Advent 1785 ist der Pastor Bauermeister in sein Amt getreten. Nach 14½ jähriger Tätigkeit wurde derselbe als Prediger nach Dorfmark im Lüneburgischen versetzt.
Am 6 Juli 1800 ist der Pastor Kasten von den Superintendent Kern hier selbst eingeführt. Derselbe war 14 Jahre Pastor.
Am 26. Sept. 1814 wurde von dem selben Superintendenten der Pastor Bethe eingeführt.
Am 10. Dez. 1820 ist der Herr Pastor Bethe, der nachher als Superintendent in Ronnenberg verstorben ist, in sein Amt eingeführt.
Nach Pastor Bethe kam Pastor Kulle, der an Geisteskrankheit litt. Sein Gehilfe war Pastor Schäffer, der die Touren von Börry nach Esperde beständig zu Fuß ging. Ein herzensguter Mensch, aber wegen seiner stundenlangen Predigten, wegen seiner merkwürdigen Manieren und seiner Schwachheiten wurde er auf Verwarnung der Esperder Kirchenvorsteher seines Amtes entlassen.
Am 16. März 1851 ist der Pastor Gläsner hier eingeführt, der am 15. Jan. 1864 abends 10 Uhr an Brustkrampf und Schlagfluß in einem Alter von 53 Jahren, 4 Mon. und 8 Tagen in Börry verstorben ist. Er war sehr beliebt.
Am 22. Jan. 1865 ist der Herr Pastor Niemack hier eingeführt, der am 17. Okt. 1866 unsern neuen Kirchhof einweihte. Vorher wurde um die Kirche beerdigt. Er war hier am Orte fast 32 Jahre, zuvor war er Pastor in Kirchdorf bei Hannover. Er war ein großer Kanzelredner, ein Helfer der Armen und ein Ratgeber der Bedrängten. Als Lehrer war er ein treuer Freund, ja noch mehr, ein Vater. In der Gemeinde ging er gerade durch, sagte jedem, was er wissen sollte, er mochte unter oder über ihm stehen. Zu seiner Zeit ist im Jahre 1880 die Kirche umgebaut, die Orgel und die Turmuhr neu beschafft. Nachdem der Pastor Niemack im Jahre 1897 verstorben war, erhielt der Pastor Oehmhausen die Pfarrstelle zu Niederbörry - Esperde; derselbe wirkte hier bis zum Jahre 1904.

Grundriß und Südansicht der alten Kirche 1879[i]
Am 14. Juni 1904 wurde von der Kirchengemeinde Niederbörry - Esperde mit großer Mehrheit Herr Pastor Schmidt aus Bodenwerder gewählt. Er hatte längere Zeit in Bodenwerder als Lehrer an der gehobenen Abteilung der Volksschule gewirkt. Er war in der Gemeinde bei Alt und Jung beliebt. Er war ein tüchtiger Redner und ein Helfer der Armen. War sehr musikalisch, leitete längere Jahre in Börry den Posaunenchor. In der Zeit wurde die Kirche im Jahre 1912 umgebaut. Leider hatte er einen starken Herzfehler. Er ließ sich im Jahre 1916 nach Heinsen versetzen. Hier hatte er nur eine Gemeinde, er hoffte auf Besserung. Aber schon nach 2 Jahren ist er ganz plötzlich verstorben.

Konfirmanden 1918
von links Thea Wieting, August Meyer, Else Ricke, ?, Frieda Beye,
Friedrich Bögeholz, Margarethe Nagel, Mimi Schlüter,
2 Jahre blieb die Pfarrstelle vakant, dann wurde Herr Pastor Kleinenberg aus dem Baltenlande nach Esperde versetzt. Nach kurzer Zeit kam derselbe nach Eimbeckhausen. Seine Stelle übernahm Pastor Beckmann aus Hannover. Er hatte die Pfarrstelle nur bis zum 1. März 1928 inne.
Am 1. November 1930 wurde Pastor Detlefs, nach dem die Stelle lange vakant war, nach Niederbörry versetzt. Er war musikalisch und gründete deshalb einen Frauenchor. Der zum 1. Male unter Leitung des Lehrers Fischer den Gottesdienst zu Weihnachten verschönte.
Das Landeskirchenamt bewilligt dem kleinen Dorf Heyen eine selbständige Pfarrei. Zu Heyen wurde, um der Seelenzahl zu genügen, Esperde hinzu gelegt. Als Filiale der Gemeinde.
Im Juli 1938 zieht Kirchenrat Theodor Clemens geb. in Braunschweig, in das Pfarrhaus mit seiner Familie ein, in eine rein bäuerliche Umgebung mit Blick auf Berge, Wald und fruchtbare Weserwiesen. Nach einer Amtsperiode 1938 - 1945 wird Kirchenrat Clemens in den wohlverdienten Ruhestand versetzt. Clemens schreibt: Ich grüße Euch zum Abschied mit den Worten des Apostels Römer 12/12 ”Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.” Ein herzliches Gott befohlen! An Euch für alle Zeit.
Verschiedene Pastoren aus Heyen, Halle, Harderode und der Flüchtlings-Pastor Nitzki aus Esperde kümmerten sich um die kirchliche Gemeinde.
Am 3. 4. 1947 wird Flüchtlings-Pastor Bruno Welz aus Hehlen von Landesbischof D. Lilje auf die Pfarrstelle Heyen - Esperde berufen, 1948 - 1957. Am 2. März hält Familie Welz ihren Einzug in das Pfarrhaus in Heyen Pastor Welz schreibt: 13. 3. 1949 Volkstrauertag wird wieder Gottesdienst gehalten. In Esperde noch 61 Kriegsvermißte.
22. 5. 1949 wir haben uns vom Kirchenkreisamt in Holzminden gelöst und dem neu errichteten Kreisamt Bodenwerder angeschlossen.
(Superintendent Butler)
Heyen bewilligt Pastor Welz jährlich 75,- DM Fahrkosten und beschließt mit Esperde, dem Pastor sofort zur Erleichterung seines Dienstes ein Leichtmotorad 98 ccm zu kaufen.

Der Kircheninnenraum 1951
1953 schickt die Frauenhilfe wieder Päckchen in die Partnergemeinde Oberseifersdorf. Inhalt: Fett, Zucker, Wurst, Gummiband, Textilien und Kaffeesiebe.
Nach dem plötzlichen Heimgang von Pastor Welz 10. 11. 1957 wurde Hermann Reichert am 20. 4. 1958 in sein Amt als Pfarrvikar eingeführt, wegen Krankheit der Tochter Maria zieht Familie Reichert 1968 aus dem schönen Weserdorf nach Ronnenberg/Wetzen bei Hannover.
Kurze Zeit war die Pfarrstelle vakant.
Einführung, so schreibt jetzt Pastor Erwin Lask, fand für mich am 22. 9. durch Superintendent Brümmer in Heyen statt.
Pastor Wolfgang Ebel hat die Pfarrstelle Heyen - Esperde von 1985 - 1987 inne. Herr Ebel lässt sich versetzen nach Göttingen.
Seit Sept. 1988 bin ich auf meiner 3. Pfarrstelle hier in Heyen - Esperde. (Pastor Dauer) Anlässlich der Vereinigung Deutschlands findet am 2. 10. 1990 um 18.00 Uhr in Heyen für beide Gemeinden ein Gottesdienst statt. Pastor Dauer 1988 - 1996.
Das Kirchenkreisamt Bodenwerder wird aufgelöst. Pastor Dauer wird nach Börry versetzt. Esperde gehört jetzt zur Pfarrstelle Börry und zum Kirchenkreis Hameln.