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5.2 Gewerbliche Ereignisse am Ende des 19. Jahrhunderts

Gerhard Schramm

 

Mehrere Ereignisse zum Vorteil für die Landwirtschaft und Gewerbe ereigneten sich zum Ende des 19 Jahrhundert.

 

Im  Herbst 1875 nahm die Zuckerfabrik Emmerthal die Arbeit auf. Die Bauern zeichneten Aktien und nach deren Anteil mussten oder konnten sie Kontingente Zucker-rüben liefern. In den ersten Jahren war die Anlieferungen der Rüben durch Pferdewagen von der rechten Weserseite schwierig, da in Hagenohsen nur eine Wagenfähre bestand. Im Zuge der Verkehrsverbesserungen baute der Kreis Hameln eben dort 1899 unter Federführung des Landrates Valentini, eine Weserbrücke, wozu auch die Gemeinde Esperde zur Brückenauffahrt (siehe Gemeinde Esperde) einen größeren Betrag bereitstellte. Somit entfiel für die Rübenlieferanten das lästige Überfähren.

Über 100 Jahre stand die Zuckerfabrik Emmerthal im Dienste der Landwirtschaft. Seit 1988 werden die Rüben nach Lage / Lippe gebracht und dort verarbeitet.

 

Zur weiteren Entwicklung aller Bevölkerungsschichten in unserer Heimat wurde ein Kreditinstitut benötigt. Am 3. Oktober 1886 gründete sich der

 

"Kirchspiel Ober- und Niederbörryer Spar- und Darlehensverein e. G."

 

in Börry. Durch den Verein auf Gegenseitigkeit konnten die Soll- und Habenzinsen auf ein reales Maß gebracht werden.

 

Heute haben im Ilsetal die

"Volksbank Hameln-Pyrmont"

und die

"Sparkasse Weserbergland"

 

ihre hervorragende Stellung, zum Nutzen der ganzen Region ausgebaut.

Eine Festigung und Erweiterung der Einnahmen in der Landwirtschaft erfolgte am 3. März 1891 durch die Gründung der "Molkerei Genossenschaft Börry".

Die Milch- und Butterverbraucher in den Städten konnten besser und hygienischer versorgt werden. Durch die feste Abnahme und zentrale Anlieferung der Milch wurden die Rindviehbestände erhöht, um auch dadurch die Fleischversorgung der Konsumenten zu erweitern.

Ein großer Plattformwagen, erst durch Pferdezug, später durch Trecker, brachte, je nach Jahreszeit, täglich ca. 150 - 200 Milchkannen, je 20 Liter, nach Börry.

Milchfahrer waren die Bauern Karl Gesterling, Helmut Köhler und Walter Menzel. Markante Milchbänke, die auch ein Anziehungspunkt der Dorfjugend waren, standen unter Albrechts Kastanienbaum, auf dem Dreieck vor der Forellenstraße und an Meyers Brücke.

 

Karl Gesterling fährt 50 Jahre die Milch von Esperde nach Börry; 14. Mai 1960

Von links: Heinrich Hille, Friedrich Hallmann, Heinrich Helleweg, Karl Gesterling, Hermann Leweke, Karl Meyer, Helmut Köhler

 

Im Lauf der Zeit wurde der Einzugsbereich der Molkerei zu klein und die Milchmenge zu niedrig um weiter kostengünstig zu arbeiten.

1968 kam das Ende der Molkerei, die Milch wurde nun von Hameln abgeholt. Durch die Umstellung der Landwirtschaft wird heute keine Milch mehr aus Esperde abgeholt.